Knud ruht

Vor ungefähr 12 Jahren kam es zweimal vor, dass ich bei klitzekleinen Poetry Slams mitmachte und dort ein schmaler Typ  mit Plastetüte und Gedichtezettel auftauchte. Er landete mit seiner Armutsnummer jeweils ein Treppchen über mir, auf dem 1. Platz. Wirklich interessant war, dass ein Teil des Publikums etwas gegen ihn hatte, das aber aus der Dunkelheit heraus äußerte, wenn er am Mikro stand. Er wies diese Volksvertreter darauf hin, man könne ihn nach seinem Kurzauftritt persönlich ansprechen. Und da fiel mir wieder ein, weshalb mir sein Name im Hinterstübchen geblieben war: Knud Wollenberger, 1989, Kirche von Unten, Stasi, Übersiedlung nach Großbritanien, vor dem Mauerfall. Heidewitzka, Herr Kapitän! So viel beschissene Zeitgeschichte auf zwei Schulterchen. Knud und ich wechselten während dieser Veranstaltungen keine drei Sätze, obwohl wir an einem runden Tisch saßen, hähä. Er hat mich nicht so interessiert, mich interessierte nicht einmal meine eigene Stasi-Akte. Uns verband allenfalls, dass wir uns bald aus der Slam-Szene zurückzogen. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Kumpan Erik hat einen duften Nachruf auf Knud verfasst. 

Tipp: 21:00, Jägerklause, Spree vom Weizen, is wohl ´n Slam.

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