Herzlichen Glückwunsch zum 60., Bernd Brillat!
Mittwoch, März 16th, 2011Ein ganz so untätiger Schreiberling bin ich nun doch nicht, wie es sicherlich scheint. Dieser Tage erschien meine Nachlese zum Mini-Derby zwischen dem BFC Dynamo gegen Union II im Fanzine Der Eis-Dynamo # 119, wo in Gläsers Globus selten von Eishockey die Rede ist. Bezug über Iron Pages. Entgegen vieler Fußball-Freaks komme ich mit den Fans der Puhdysbären gut aus, zumal deren Layouter Haase neulich seinen sonnigen Sonnabend opferte, um mit uns am Computer die vielen Zugriffschnippsel zusammen zu schieben. Vielen Dank dafür, großer Meister! Den Zugriff # 7 gibt es ab kommenden Donnerstag Abend im Hoolywood, am Sonnabend beim Spiel Füchse gegen Dynamo, oder per Postweg.
Im nächsten Eis-Dynamo ist bestimmt mein Text zu Bernd Brillats 60. Geburtstag, der eigentlich in der heutigen blöden Welt auftauchen sollte. Aber neulich gab es niemanden, der sich für den ursprünglich angeforderten Beitrag verantwortlich fühlte. Naja, tief einatmen, langsam ausatmen und die Buchstaben zu Bernd “Maxe” Brillat zählen.
Mit Maxe bei DAF
Als alter Völkerfreund verschlägt es mich alle Jubeljahre zu einem DAF-Konzert. Wer Deutsch Amerikanische Freundschaft kennt, tut das in der Regel seit ihrem Rotations-Hit „Der Räuber und der Prinz“, der zu Beginn der ´80er erschien, als sie am stärksten wahrgenommen wurden. Genauso bekannt, aber weniger radiokompatibel, war ihr „Mussolini“. Noch heute, der Konzertkracher. Auch deshalb sah es zum März-Beginn nach einem Klassentreffen aus. Alle wollten im Friedrichshainer K 17 zum “Mussolini” die Hüften bewegen, sozusagen alle gegen alle. Macht ja nichts, das wir mittlerweile 40, 45 oder 50 Jahre alt sind. Wir bilden uns auf unsere musikalische Sozialisation von vor 30 Jahren etwas ein. Aber es überraschte mich schon, das bei DAF noch ältere Herren als wir es sind solche Songs wie „Verschwende deine Jugend“ mitsangen. Nicht dass das peinlich gewesen wäre. Diese Herren versprühen den Charme derer, die solche Läden wie das K17 schmeißen. Coole Lords sind das. Bei einem dieser Herren dachte ich: He, diese wilde Siebzigerjahrefrisur, dieses breite Grinsen und die lachenden Augen, das ist doch, richtig, Bernd Brillat! Ein Held aus meinen Jugendjahren, er hat sich kaum verändert. Bernd Brillat vom Berliner FC Dynamo. Als ich mich noch unschlüssig zeigte, ob es tatsächlich unser einstiger Meisterspieler wäre, plauderte Kulle, unser Chef für Statistik, sofort einige Eckdaten aus: Bernd Brillat, genannt “Maxe”, seit 1967 beim BFC, zwischen 1970 und 1982 in der 1. Mannschaft. 132 DDR-Oberligaeinsätze, 9 Tore, und 17 Europapokalspiele mit zwei Toren. Toll, muss man erstmal drauf haben. Maxe hat die ´70er, das goldene Jahrzehnt des DDR-Fußballs, mitgestaltet, er errang mit dem BFC dessen erste Meisterschaften und zog sich auf dem sportlichen Höhepunkt der Dynamos zurück. Es war 1978, als ich Maxe das erste Mal im Cantianstadion agieren sah. Ich erinnere mich an einen schönen Frühlingstag, das Spiel sahen 15.000 Zuschauer. So war es damals alle 14 Tage im Prenzlauer Berg. Und unser 1951 geborener Maxe mittendrin. Er war als Jugendlicher von Berolina Stralau zum BFC gekommen und spielte dort als Libero, Verteidiger oder Mittelfeldakteur. Maxe, die Stimmungskanone, ein Berliner, wie er im Geschwafel unserer sportlichen und medialen Rivalen nicht vorkommt. Dabei soll es Maxe höchstpersönlich gewesen sein, der einigen Anhängern unterirdischer Gegner mitunter Karten für die Europapokalspiele des BFC zukommen ließ, damit sie sich bei den Schlachtenbummlern von Aston Villa oder AS Rom anbiedern konnten. Wahrscheinlich hat Maxe sogar seine Beziehungen spielen lassen, damit einige Unioner mal eine ordentliche Levis an den Arsch bekommen, bevor ihnen der volkseigene Zingler-Zwirn aus Güstrow City von selbigem rutscht. Ich habe Maxe zu dieser Legende befragt, worauf er viel sagend lächelte und uns eine Runde ausgab. Ach, schön war die Zeit, so um ´79, ´80, ´81. So schlimm können diese Jahre für die Verfolgten des Verfolgerregimes nicht gewesen sein. Jedenfalls war Maxe beim DAF-Konzert die Ruhe selbst, trotz des elektrischen Punks, der das Gemäuer zum vibrieren brachte. Unser Sportler mit der Körpersprache eines Anglers. Vereinstreu und Lokalpatriotisch. DAF-Musik ist für ihn so was wie der Dynamo-Marsch, da muss er natürlich bei sein. Hat er schon damals etwas lauter als erlaubt gehört. Heutzutage spielt Maxe noch in der Traditionsmannschaft des BFC Dynamo. Es heißt, er halte die Truppe zusammen. Bernd “Maxe” Brillat steht seit einem schönen 16.3. zeitlos und souverän im Leben. Herzlichen Glückwunsch zum 60. Geburtstag!