Herzlichen Glückwunsch zum 60., Bernd Brillat!

Ein ganz so untätiger Schreiberling bin ich nun doch nicht, wie es sicherlich scheint. Dieser Tage erschien meine Nachlese zum Mini-Derby zwischen dem BFC Dynamo gegen Union II im Fanzine Der Eis-Dynamo # 119, wo in Gläsers Globus selten von Eishockey die Rede ist. Bezug über Iron Pages. Entgegen vieler Fußball-Freaks komme ich mit den Fans der Puhdysbären gut aus, zumal deren Layouter Haase neulich seinen sonnigen Sonnabend opferte, um mit uns am Computer die vielen Zugriffschnippsel zusammen zu schieben. Vielen Dank dafür, großer Meister! Den Zugriff # 7 gibt es ab kommenden Donnerstag Abend im Hoolywood, am Sonnabend beim Spiel Füchse gegen Dynamo, oder per Postweg.

Im nächsten Eis-Dynamo ist bestimmt mein Text zu Bernd Brillats 60. Geburtstag, der eigentlich in der heutigen blöden Welt auftauchen sollte. Aber neulich gab es niemanden, der sich für den ursprünglich angeforderten Beitrag verantwortlich fühlte. Naja, tief einatmen, langsam ausatmen und die Buchstaben zu Bernd “Maxe” Brillat zählen.    

Mit Maxe bei DAF

Als alter Völkerfreund verschlägt es mich alle Jubeljahre zu einem DAF-Konzert. Wer Deutsch Amerikanische Freundschaft kennt, tut das in der Regel seit ihrem Rotations-Hit „Der Räuber und der Prinz“, der zu Beginn der ´80er erschien, als sie am stärksten wahrgenommen wurden. Genauso bekannt, aber weniger radiokompatibel, war ihr „Mussolini“. Noch heute, der Konzertkracher. Auch deshalb sah es zum März-Beginn nach einem Klassentreffen aus. Alle wollten im Friedrichshainer K 17 zum “Mussolini” die Hüften bewegen, sozusagen alle gegen alle. Macht ja nichts, das wir mittlerweile 40, 45 oder 50 Jahre alt sind. Wir bilden uns auf unsere musikalische Sozialisation von vor 30 Jahren etwas ein. Aber es überraschte mich schon, das bei DAF noch ältere Herren als wir es sind solche Songs wie „Verschwende deine Jugend“ mitsangen. Nicht dass das peinlich gewesen wäre. Diese Herren versprühen den Charme derer, die solche Läden wie das K17 schmeißen. Coole Lords sind das. Bei einem dieser Herren dachte ich: He, diese wilde Siebzigerjahrefrisur, dieses breite Grinsen und die lachenden Augen, das ist doch, richtig, Bernd Brillat! Ein Held aus meinen Jugendjahren, er hat sich kaum verändert. Bernd Brillat vom Berliner FC Dynamo. Als ich mich noch unschlüssig zeigte, ob es tatsächlich unser einstiger Meisterspieler wäre, plauderte Kulle, unser Chef für Statistik, sofort einige Eckdaten aus: Bernd Brillat, genannt “Maxe”, seit 1967 beim BFC, zwischen 1970 und 1982 in der 1. Mannschaft. 132 DDR-Oberligaeinsätze, 9 Tore, und 17 Europapokalspiele mit zwei Toren. Toll, muss man erstmal drauf haben. Maxe hat die ´70er, das goldene Jahrzehnt des DDR-Fußballs, mitgestaltet, er errang mit dem BFC dessen erste Meisterschaften und zog sich auf dem sportlichen Höhepunkt der Dynamos zurück. Es war 1978, als ich Maxe das erste Mal im Cantianstadion agieren sah. Ich erinnere mich an einen schönen Frühlingstag, das Spiel sahen 15.000 Zuschauer. So war es damals alle 14 Tage im Prenzlauer Berg. Und unser 1951 geborener Maxe mittendrin. Er war als Jugendlicher von Berolina Stralau zum BFC gekommen und spielte dort als Libero, Verteidiger oder Mittelfeldakteur. Maxe, die Stimmungskanone, ein Berliner, wie er im Geschwafel unserer sportlichen und medialen Rivalen nicht vorkommt. Dabei soll es Maxe höchstpersönlich gewesen sein, der einigen Anhängern unterirdischer Gegner mitunter Karten für die Europapokalspiele des BFC zukommen ließ, damit sie sich bei den Schlachtenbummlern von Aston Villa oder AS Rom anbiedern konnten. Wahrscheinlich hat Maxe sogar seine Beziehungen spielen lassen, damit einige Unioner mal eine ordentliche Levis an den Arsch bekommen, bevor ihnen der volkseigene Zingler-Zwirn aus Güstrow City von selbigem rutscht. Ich habe Maxe zu dieser Legende befragt, worauf er viel sagend lächelte und uns eine Runde ausgab. Ach, schön war die Zeit, so um ´79, ´80, ´81. So schlimm können diese Jahre für die Verfolgten des Verfolgerregimes nicht gewesen sein. Jedenfalls war Maxe beim DAF-Konzert die Ruhe selbst, trotz des elektrischen Punks, der das Gemäuer zum vibrieren brachte. Unser Sportler mit der Körpersprache eines Anglers. Vereinstreu und Lokalpatriotisch. DAF-Musik ist für ihn so was wie der Dynamo-Marsch, da muss er natürlich bei sein. Hat er schon damals etwas lauter als erlaubt gehört. Heutzutage spielt Maxe noch in der Traditionsmannschaft des BFC Dynamo. Es heißt, er halte die Truppe zusammen. Bernd “Maxe” Brillat steht seit einem schönen 16.3. zeitlos und souverän im Leben. Herzlichen Glückwunsch zum 60. Geburtstag!

11 Responses to “Herzlichen Glückwunsch zum 60., Bernd Brillat!”

  1. Ahne Says:

    Schöner Text!

  2. Jünter Netzer Says:

    Sehr, sehr schöner Text! Danke, DJ!

    Und natürlich auch von mir an dieser Stelle die allerherzlichsten Glückwünsche an Dich, lieber Maxe.

    Habe Dich zur 40-Jahresfeier der Weinroten kennen- und schätzen gelernt und wir haben bestimmt ne halbe Stunde miteinander erzählt, weil Du es kaum glauben konntest, daß ein Magdeburger sich bei so einem Ereignis herumtreibt. Haha. Besonders toll für mich waren Deine Erlebnisberichte rund um die Aufeinandertreffen mit der FCM-Traditionsmannschaft und insbesondere den langen Stahmann, den ich jede Woche sehe. Er hatte sich riesig über die Grüße von Dir gefreut und schmunzelte nur vielsagend, als ich ihm noch ein paar weitere Anekdötchen zu Euch entlocken wollte. :)

    Also, ich wünsche Dir vor allem Gesundheit, Glück und Lebensfreude. Bleib so ein toller Mensch (mit dem Herz am richtigen Fleck), der Du offensichtlich bist.

    Herzliche Grüße aus Magdeburg

  3. baufresse Says:

    Danke Ahne. Ich bin auch gespannt auf deinen Gedichte-Band.

    Danke Jünter. Bei der 40-Jahrfeier im Huxley hätten wir uns sehen müssen, waren aber wohl etwas Engerling-geschädigt.

    :-)

  4. Jünter Netzer Says:

    DJ, da kannten wir uns noch nicht. Obwohl schon damals Dein gesamtes schriftliches sowie akustisches Gesamtwerk in meinen 4 Magdeburger Wänden bunkerte. Habe Dich zwar das erste Mal im März 2003 im “Maria am Ostbahnhof” gesehen (Du lässig uff’m alten Scheselong in der letzten Reihe, die Magdeburger janz vorne - “Johnny Marr / plays guitar”), aber kennenjelernt haben wir uns später im Sportforum, ein halbes Jahr bevor ick mit Tulpe ins Kaffee Burger kam.

    Gab es von den 40-Jahre-Weinrot-Parties mehrere? Ick war nicht im Huxleys, sondern in irgendeiner Sporthalle/Fitnesscenter.

    Watt meinste mit “Engerling”? Kenn ick nicht. Für die Erdnussflips mußte man mit’m Zug in die Hauptstadt fahren. War’n weiter Weg aus’m Harz. Die Tanzkapelle hab ick noch nie gesehen. ;)

  5. baufresse Says:

    Jünter, hier meine Infos zur Zeitreise:

    Johnny Marr (& the healers?) war mir zu schweinerockig. Hatte was von ´nem anstrengenden Pflichttermin. Schön allerdings der Stromausfall(?) und die Akkustik-Version von Bigmouth …

    Das 40jährige Jubiläum sollte halbwegs durchgefeiert werden, fing aber schon mit der unpassenden offiziellen Sause im Neuköllner Huxleys an … mit zwei peinlichen Herzbuben-mäßigen Moderatoren, mit der deppresiven Blues-Band Engerling und so weiter.

    Du warst sicher im Jumps Fitness-Center, hast mit der Fan-Sause die lustigere Party erwischt ;-)

  6. Jünter Netzer Says:

    DJ McFly im DeLorean,
    jo, die Mugge war für’n Arsch. “Bigmouth …” und “Cemetry gates” auf Akustik waren aber das Eintrittsgeld wert. War also gut, daß die Börde-Buben mal kurz an der Steckverbindung diverser Kabel gerüttelt hatten. ;) Johnny hat mich hinterher mal kurz runderneuert, weil ich es wagte, ihn in einem “MORRISSEY and The Smiths”-Buch unterschreiben lassen zu wollen. “MORRISSEY signs HIS stuff and I sign MINE!”. Hahaha. Als er sich wieder eingekriegt hatte, hat er mir aber noch ca. 40 Smiths CDs, Maxi-Cds und Bücher unterschrieben.

    Ja, denn war ich im “Jump”, irgendwo in Hohenschönhausen. Hat jefetzt. Schöne Fotos mit Terletzki, Reich, Schulz usw. jemacht. Alles nette Leute.

    Übrigens, ‘n FCM-Kumpel von mir, der den BFC aus DDR-Zeiten ha…, nun ja, sagen wir mal, alles andere als liebt, hat die Sucht, alle DDR-Nationalspieler wegen Autogrammen zu besuchen. Vor kurzem war er bei Sträßer in München. Und er, also mein Kumpel, bestätigt mir nach jedem BeFi, den er besucht hat, daß kaum ein anderer Spieler so nett, sympathisch, zuvorkommend wie die BeFis ist. Und dann ärgert er sich, daß seine ganze Fußballkindheitsweltanschauung deswegen in sich zusammenfällt. :)

    Gruß aus Hill Valley,
    Emmett “Doc” Brown

  7. baufresse Says:

    Jünter,

    habta jut jemacht, mit dem Kabel ziehen. Könnta ooch machn, wenn am Mittwoch BAK jegn BFC führt. Aber mit den Unterschriften, dit is janz schön schlimm mit dir. Da wäre ick an Johnnys Stelle nach der fünften abjehaun.

    Yo, alte und neue BFC-Spieler sind zu nett für diese Welt, deshalb ham se nüscht mehr zu melden.

    So, Ruhe hier.

  8. Jünter Netzer Says:

    Schlimm? Ditt Leben is keene Honichmelone, wa! Und für die ganzen Teile habe ich ja auch ordentlich Taschengeld geblecht, nach die Wende, wa!?

    2-1 nach Valängarung gegen den BAK. Wie jeil is ditt denn?

  9. baufresse Says:

    Ja, jeil. 0-1, 4. Minute, 1-1, 92., 2-1 unjefähr 118..

    Hier mal n Fülmchen, in dem immerhin dit 1-1 und fast och dit 3-1 vorkommt.

    http://www.youtube.com/watch?v=ehcPbsH-bBo&feature=player_embedded

  10. baufresse Says:

    Sorry, zu sehn is nich Karadumas 1-1, sondern Lemckes 2-1 ;-)

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