
Das Foto stammt nicht aus Edinburgh, von einem Besuch bei den Hearts, sondern vom Ausflug an den Gesundbrunnen, wo mein Sohn und ich an Tante Herthas Wiege standen. Ich zeigte ihm, was noch von der Plumpe übrig blieb, nämlich das Gelände des Breitensportvereins SV Nordnordwest 08. Die Hertha-Villa an der großen Kreuzung ist noch nicht zerfallen, was vielleicht besser wäre; sie sieht noch so aus wie 1989, mindestens. Die einst markanten Kurven “Zauberberg” und “Uhrenberg” wurden begradigt. Vor Jahrzehnten rockten mehrere 10.000 Herthaner den Wedding, mit der Unterstützung vom Prenzlauer Berg, also vor dem Mauerbau. Der bekannteste Herthaner, Hanne Sobeck, einer der Meister der Jahre 1930/31, kam aus der Stargarder Straße, man trainierte auf dem Exer … 1961 brach nicht nur ein großer Teil der Zuschauer weg. Nach dem Krieg, halbherziger Aufbau der Plumpe, gelegentliche Nutzung vom Poststadion … freiwillige Verbannung ins Olympiastadion. Spätestens mit dem Dauerparken des Raumschiffs Gesundbrunnencenter, vor cirka 15 Jahren, hatte man den einstigen Bilderbuchkiez mit den halbrunden Bauten weiter verhässlicht. Sehr schön ist aber nach wie vor das Cafe-Restaurant Lichtburg, benannt nach einem Kino zwischen Bahnhof und Plumpe. Ich lobte die nette Wirtin für die weinrot-weiße Raumausstattung, erwähnte aber auch den farblichen Bezug zu Dynamo Berlin. Sie verriet mir, dass das “Hertha BSC” über dem Eingang der Nachbarimmobilie dort prang, weil der einstige Fan-Shop dicht machen musste, der Hauseigentümer aber so was gerne dran lässt. Na, wird vielleicht wieder.
Kollege Wolter veröffentlicht im Frühjahr übrigens ein Sachbuch über die Berliner Stadien. Bin gespannt. Freund Willmann folgt im Herbst mit einer Anthologie zum Zonenfußball, in der meines Wissens unter anderem Robert Naumann (Wismut Aue), Ahne (Lichtenberg 47), Matthias Klaß (Motor Eisenach) und ich (BSG Obertrikotagen Apolda) vertreten sein werden.
