Archive for Juni, 2010

Rezension im Eulenspiegel

Freitag, Juni 25th, 2010

Dem von mir durchaus geschätzten Matthias Biskupek gefällt mein Roman nicht. Vor zwölf Jahren hätte ich mich über seinen Verriss auch drei Minuten geärgert, heute stimme ich fröhlich das Brüh-Lied an: “Brüüüh-Brüüüh-Brüüü-der zur Son-ne, zur Frei-heit …” 

Ich war gestern in Südafrika …

Freitag, Juni 25th, 2010

… zwischen 13 Uhr und 13 Uhr 33, um ein holpriges Gespräch zu führen. Jedenfalls besiegt Deutschland England mit 2:0 oder per Elfmeterschießen, das ist noch nicht raus, nur das glückliche Ende.

Zugabe.

Rezension im Neuen Deutschland

Dienstag, Juni 22nd, 2010

Im Stadion, das Ulbrichts Namen trug. Wohlwollende Werbung eines mir nicht bekannten Unioners. Gruß & Dank :-)

“Ost-Berlin im November 1978. Von der Aufbruchstimmung nach den Weltfestspielen 1973 ist der Jugend der Hauptstadt der DDR nichts geblieben. Die vielen Einschusslöcher aus dem Krieg in den maroden Altbauten sind dagegen immer noch da. Es gibt Szenen, aber keine Szenebezirke. Mitte liegt am Rand der Stadt und in Prenzlauer Berg wohnen auch Arbeiter. Kein neuer Morgen, der in der Luft liegt, nur die nächste Nacht in verrauchten Kaschemmen. Das nächste Bier. Ziemlich oft Schnaps. Die nächste Frau. Das nächste Spiel.

Am 4. November treffen der 1. FC Union und der BFC Dynamo im Achtelfinalhinspiel des FDGB-Pokals aufeinander, das Rückspiel folgt am 18. November. Die zwei Wochen zwischen diesen Spielen bilden den Rahmen in Andreas Gläsers Buch »Bambule Berlin«. Nach den Kurzgeschichten in »Der BFC war schuld am Mauerbau« und »DJ Baufesse« ist dies der erste Roman des Autors und BFC-Fans, der sich wie kaum ein zweiter darauf versteht, die proletarische Sprache des Ostens der Stadt aufzunehmen und wiederzugeben.

Borsig, der gar nicht heroische Held des Romans, hat für Fußball eigentlich nichts übrig; er ist Musiker und treibt ziellos durch das Leben. Spannungen bringt dies vor allem mit seiner Freundin, und so werden die Spiele ungeplant zur willkommenen Abwechslung – in Gedanken und in der Tat. Und was für Spiele das werden …

Beide Derbys werden im Stadion der Weltjugend gespielt. Hatten im September noch über 30 000 Zuschauer das gleiche Spiel am selben Ort verfolgt, verlieren sich im November nur noch 20 000 bzw. 10 000 Interessierte in der riesigen Schüssel, die bis 1973 den Namen Walter Ulbrichts trug. Zu trist der November, zu eindeutig verteilt die Chancen. Union rechnet sich von vornherein nichts aus und spielt mit halber Kapelle; die Spieler des BFC scheinen in jedem Spiel die beiden 0:1-Niederlagen aus der Saison 75/76 rächen zu wollen.

Fürchterlich hoch fallen die Siege des BFC aus, 8:1 und 7:1; furchtbar treffen sie die Unioner nicht. Dem Torwart des FCU, Wolfgang Matthies bleibt noch Zeit, dem Nationalspieler Riediger den Fußballschuh vor der Nase wegzuschießen, den jener verloren hat. Vom Fussballverband der DDR gab es dafür eine Rüge wegen unsportlichen Verhaltens, vom Union-Anhang den Heldenstatus. Die Fans beider Lager werfen sich, getrennt durch Polizeiketten, verbale Nettigkeiten zu. Fehlt die grüne Ordnungsmacht, werden Aufnäher und selbstgetrickte Schals gegen Schläge getauscht. Spitz auf Stress sind meist beide Seiten, vor allem nach den Spielen. Die Massen fliegen die Chauseestraße hinunter Richtung Bahnhof Friedrichstraße, der Dynamo-Anhang wird etwas später als die Union-Fans aus dem Stadion gelassen. Gerüchteweise fliegt auch mal jemand von der Weidendammbrücke in die Spree, kein Spaß im Winter, aber noch kein heiliger Krieg der Fußballreligionen.

Berlin: nicht die Bühne, sondern der Ort, an dem gelebt und auch gestorben wird. Bambule ist zwar viel, zum Beispiel im Palast der Republik beim City-Konzert. Berlin ist aber noch kein Abenteuerspielplatz für Kreative und Selbstdarsteller, obwohl die Mieten viel billiger als heute sind. Prenzlauer Berg mit Außenklo und Eckkneipe, kein Telefon. In den Schaufenstern locken keine Waren, sondern winkt meist Sigmund Jähn, der erste deutsche Weltraumfahrer aus Morgenröthe-Rautenkranz. Im Radio laufen die Puhdys und im Fernseher Westen. Immer läuft der Plattenspieler: Rote Gitarren, Bernd Frohberg, Sandy Shaw. Musik ist viel drin, gehörte und selbstgemachte.

Und über allen strahlt die Sonne, die fahle im November.” Stephan Fischer