Archive for Mai, 2010
Basta!
Sonntag, Mai 30th, 2010Ich hatte mich bei der Anreise nach Görlitz gewundert, weil Dan, Jakob und ich laut einiger Schilder immer noch in der Oberlausitz verkehrten, nicht aber im Westzipfel Schlesiens, wo ich mich schon wähnte, auf den Spuren meiner Ahnen väterlicherseits. Görlitz ist wohl doppelt gemoppelt, au Backe. War aber ´ne informative Fahrt. Dan hat Turbohusten und Jakob werkelt als Chef an einem Theaterstück für die Volksbühne herum, in dem eine Hauptrolle mit Kurt K. aus N. besetzt sein wird. Im Juni kommt es zu zehn Aufführungen, also rechtzeitig ´ne Karte sichern. Jedenfalls hatten wir in Schlesien eine Villa Kunterbunt zum Ziel, um dort Texte vorzutragen, und zwar zwischen den Liedern einer Bremer Bääänd ohne Strom. Ich und mein Tiger, sowie ich, wir zogen nach meinem Gefühl die Stimmung ab und an etwas runter, während die Herren Richter und Hein aus der gut besuchten Bude einen Kookaburra zu machen gedachten. Ich hatte mitunter das Gefühl, dass ein paar Kulturinteressierte einige Probleme mit meiner Version des spröden Charmes hatten. Schon komisch, das Bilderbuchstädtchen Görlitz. Über dem Restaurant “Dreibeiniger Hund” hängt ein Schild mit einem Hundebildnis, allerdings mit einem Nullbeiner. Und im “Basta”, der links- alternativen Nische, verkehren nur schöne Frauen, was für solche Läden ja auch untypisch ist. Und falls es jemanden interessiert, am kommenden Mittwoch stolziere ich mit meinem neuen Skatalites-Shirt inmitten des dynamischen Mobs umher.
Mein Förderer der Woche ist Matze K. aus E., aufgrund seiner Wochenschau, in der er mein neues Werk als Buch zur WM bezeichnete.
1954, 74, 90, 2006
Donnerstag, Mai 27th, 2010“Bei dir stinkst wie im Puff!”, hatte die neue Mieterin vorhin sicherlich sagen wollen, es sich aber nicht getraut, als ich ihr die Wohnungstür öffnete. Dabei riecht es bei mir wie beim Friseur, genauer verraten, wie bei “Modische Linie”, wo ich in den ´70ern mitunter war, unter der Schere nämlich, zwecks Messerformschnitt. “Modische Linie” in der Schönhauser Allee, da wo heute das Ärztehaus ist, gegenüber vom Fischladen, da wo heute die Schönhauser Allee Arcaden sind … Bei mir stinkt es, ja, denn ich habe während der fünf Jahre, in denen ich hier wohne, heute das erste Mal mein Regal im Bad aufgeräumt, die abgelaufenen Medikamente aus den Jahren 1954, 74, 90, 2006 entsorgt. Staub gewischt, Rundumleuchte montiert … Und dabei ist mir ein Fläschen runtergefallen, zerdeppert und ausgelaufen. Voll auf die Kacheln. Parfüm für den Herren von heute. Ich kann mir nicht vorstellen, dafür jemals Geld verplempert zu haben; kenne auch keinen Friseur so gut. Der neuen Mieterin hat mein häusliches Stuttgarter Stinken bestimmt gefallen, als sie das Päckchen abholte, welches bei mir seit zwei Tagen lagerte. Die Lagerfeld-Lache hatte ich kurz zuvor aber trotzdem weggewischt, die schicken Scherben flogen auch zu den alten Salben und Tropfen, die man zwar nicht in den Hausmüll werfen soll, aber mit Parfüm, naja … Bin mal gespannt, ob es jemals heißen wird: “Bei dir riecht´s wie beim Friseur.”