Bambule Berlin

 BFC-Fans, 1979

Schönes Foto. BFC-Fans aus Potsdam, auf´m Alexanderplatz, 1979. Ist noch in keinem der einschlägigen Bücher aufgetaucht. Ein Teil des Fotos wird auf dem vorderen Buchdeckel sein. “Bambule Berlin” erscheint Mitte April beim Iron Pages Verlag. Auf dem hinteren Buchdeckel soll ein Text den Kaufreflex auslösen, der geht in etwa so:

Andreas Gläser, der Autor von “Der BFC war schuld am Mauerbau”, erzählt in seinem ersten Roman von Fußball und Musik, von Liebe und Tod, vom Leben der Eingeborenen, wie es sich Ende der ´70er zugetragen hatte, in den vermeintlichen Nischen, Prenzlauer Berg und Mitte, als der Punkrock und das Fußballrabaukentum über die Mauer zu schwappen begannen, bevor diese Bezirke zu schwäbisch-rheinländischen Hüpfburgen wurden.  

November 1978. Zwei Wochen im Zentrum der Hauptstadt der DDR, und oft nur eine Frage: BFC oder Union? Der Fußballverächter Borsig kommt nicht um die Turbulenzen der beiden Derbys herum, auch nicht um die schlechte Laune seiner Klara. Der Boheme interessiert sich für seine aufrichtig-unmoderne Musik-Formation, er verkehrt ohnehin lieber auf der Stand- als auf der Überholspur. 

Schnipp. Nach dem Zweitwerk “DJ Baufresse” (2006) habe ich kultiviert herum geeiert, mal mit der Anthologie “Pauschal ins Paradies”, dann mit dem Theaterstück “Dynamoland”. Wir schrieben die Jahre 2007, 2008 und 2009. Einige entfernte Versionen der “Bambule” zogen kleine Kreise. Ich wollte was ohne Fußball und Baustellen fabrizieren. “Die schöne Scheidung” fand ich humorvoll. Zwei Freunde hielten sie für interessant und kontrovers. Zehn Verlage fanden nix.

Nach der “Scheide” wollte ich ohnehin “BFC oder Union?” abliefern, eine Räuberpistole aus Plaste und Elaste. Beginnend beim Pokalhinspiel, endend beim Rückspiel. Ohne schon zu wissen, was dazwischen passieren soll. Jedenfalls nicht dass, was ich im Debüt erzählt hatte. Ich schickte meinen Protagonisten Borsig ins Rennen, einen Fußballverächter, er hieß in einer frühen Version Andi Kalaschnikov, es gab auch ´ne andere Erzählerperspektive … Jedenfalls wussten einige halbwegs interessierte Agenten nicht, warum “BFC oder Union?” unbedingt in ´nem Jahr spielen müsse, in dem beide Vereine erstklassig waren. Manches passte nicht. Und so sehr die markante Frage auch für die damalige Zeit authentisch sein mag, irgendwann wollte ich den Ruhmreichen nicht schon wieder Titelgebend herbei bemühen, andererseits hätten die Köpenicker dort auch nix zu suchen. Mal ein Werk nahezu komplett zu verwerfen, damit ist man in guter Gesellschaft, zumindest unter gut Verdienenden.

“Bambule Berlin” hatte ich als Titel schon einige Jahre im Köpfchen, allerdings für eine 1.Mai-Hooligan-Eckkneipen-Anthologie. Wäre verschenkt gewesen. In der Verlagswelt hatte ich nicht mehr viele Möglichkeiten, konnte unmöglich jemandem die neue heiße Version antragen. Matze Mader von Iron Pages ist eigentlich ein Verbündeter der ersten Stunde, ein Fanzine-Hero, mindestens seit 1993. Der “Eis-Dynamo” zählt mittlerweile über 100 Nummern. Ich erinnerte mich wohl nicht an Iron Pages, weil Matze es nie drauf hatte, mich mit ´nem Schlitten den Kurfürstendamm hoch- und runter zu kutschieren. Allerdings interessiert mich sein Programm viel mehr als das von Abbau und Konsorten.

“Bambule Berlin” wird nicht automatisch auf den Pop-Tables der kleinen und großen Buchhandlungen liegen, auch wenn ich es vor Jahren mit “Der BFC war schuld am Mauerbau” im Thalia in der Schönhauser Allee unter die Top Ten geschafft habe und in Berlin-Brandenburg immerhin ein Literatur-Regionalligist war. Es wird ´ne Startauflage von Matze-typischen 500 Exemplaren geben, von denen einige im Sportforum und im Hoolywood ausliegen werden, aber es wäre so sinnvoll wie noch nie, wenn man so´n Exemplar beim Verlag oder beim Buchhändler vorbestellt.

Meinen Monstertext habe ich abgeliefert, die Lektorin darf sich dieser Tage amüsieren und wundern. Der Feinschliff am Buchdeckel steht an.  

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, alles wird gut.

12 Responses to “Bambule Berlin”

  1. Ahne Says:

    Ick bestell schon ma so `n … Dings, äh, Buch.

  2. Matze Says:

    Na endlich :-)
    Eine Bitte mein Bester: Wenn das Buch im Handel freigeschaltet ist, schick mir das Cover per PDF. Ich könnte es zwei drei mal in die Kamera halten, wenn ich meine Knackwurschtklassen-Clips bei Youtube reinstelle. Die werden im Schnitt zwar nur von 200-300 Freaks gesehen, welche aber immerhin Fußballfans von der Basis sind!

    Greets ausm Wald

  3. baufresse Says:

    @Ahne. Sollte klappen. Wann jibs denn den Kaffee für die Postkarten?

    @Matze. Ja, PDF wird zugeschickt. Youtube is dufte. Und 200 Basis-Freaks sind wichtiger als 3.000 Überflieger der taz-Buchmessen-Beilage, yes.

  4. Rico Says:

    Kannst mir ja eins in meinen Briefkasten schmeissen…

    Übrigens hat 79 Stahl Riesa auch in der Oberliga gespielt! Im ehrwürdigen Stadion der Stahlwerker gab es ein vielumjubeltes 1:1 Im JSP verloren die Mannen um Günter Guttmann (R.I.P.) durch Beschiss 9:1 und der BFC wurde letztendlich Meister! Ja so war das und ich weiss es noch als wäre es gestern, mit meinen damaligen 2 Jahren!

  5. baufresse Says:

    @Rico Rodriquez. Dit Buch is viel zu dick für den Schlitz. Und n 9:1 war zwischen Dynamo und Stahl n traditionellet Resultat, stimmts? ;-)

  6. Matze Says:

    Entschuldigt bitte nicht, wenn ich mich hier nochmal einmische, aber es drängt!
    1979 war ich nämlich schon 14! Daher kann ich mich mit ziemlicher Genauigkeit daran erinnern, dass dubiose Kreise in der DDR Ende der Siebziger verhindert haben, dass die BSG Motor Eisenach in die Oberliga aufsteigt. Das Ergebnis ist bekannt, und Deutsche Fußball-Historie geworden: Der BFC wurde 10 Mal in Folge Deutscher Meister…

  7. baufresse Says:

    Lieber Matze, die Hauptstädter kümmern sich nicht so doll um deinen Thüringer Zipfel. Der Nichtaufstieg Eisenachs geht wohl auf das Konto der BSG Motor Suhl, oder? ;-)

  8. Matze Says:

    Hab doch geschrieben “dubiose Kreise”. Eure Dankespostkarten sollten eigentlich heute noch nach Suhl gehen, oder ham die Euch am Meisterwerden gehindert? Siehste!
    Ich sollte ein Buch schreiben. Titel: ” Meister in der DDR - wie konnte es geschehen?”, oder eins mit dem Titel: “Union hat nicht das Monopol auf die Opferrolle im DDR-Fußball”

    Gruß von Keule (der grad im Bus nach Dresden sitzt) und Matze (der sich anderweitig zu vergnügen sucht)

  9. baufresse Says:

    Tja, die Suhler hatten immerhin am Alex ne tolle Jagdhütte. Die Immobilie bekam man auch nicht nur so. Na, schreib mal, “U***n hat nie das Monopol für die Meisterrolle im Fußball”.

  10. Shenja Says:

    Wenn Morrissey im November 78 in einer Prenzelberger Hinterhofbude mit Außenkloo sein “November Spawned A Monster” geschrieben hat, während die Unioner schon einige Jahre vor meiner Fußball-Punk-Zeit gemeinschaftliches Grillen und Wegrennen trainierten, dann sollte 32 Jahre später die Zeit für ein bißchen “Bambule (in) Berlin” gekommen sein… ;-) venceremos

  11. baufresse Says:

    Jawoll Shenja, der wahre Wende-Roman wurde noch nicht geschrieben, weil man sich immer an 89 orientierte, nicht an 78. In “BB” sind auch drei Sätze für die Klagenfurther Clique. ;-)

  12. PLUTO Says:

    Ick freu mich drauf und bestell mir eins!

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